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Stablecoin issuers

Ethena Labs

Ethena Labs ist ein 2024 aufgestiegener Emittent synthetischer Dollar. USDe hält seine Bindung durch ETH-Spot-Long plus Perpetual-Short aufrecht – ein grundlegend anderer Ansatz als USDTs Fiat-Reserve. Für USDT-Kartennutzer ist USDe eine potenzielle Ertragsschicht für Ruhepositionen, aber kein Ersatz für reservegestützte Stablecoins.

Headquarters
British Virgin Islands
Founded
2023-01-01
Key jurisdictions
BVI · Global
Key products
USDe · sUSDe · ENA

Ethena Labs ist auf den Britischen Jungferninseln registriert, wurde 2023 von Guy Young gegründet und wird von institutionellen Investoren wie Dragonfly und Brevan Howard Digital unterstützt. Das Hauptprodukt USDe startete 2024 bei null und erreichte laut Ethenas offiziellem Transparenz-Dashboard noch im selben Jahr eine Umlaufmenge im einstelligen Milliardenbereich – eines der meistdiskutierten neuen Stablecoin-Projekte dieses Zyklus.

Der Unterschied zu traditionellen Stablecoin-Emittenten wie Tether oder Circle beginnt auf der ersten Ebene: Ethena hält keine US-Dollar und legt keine kurzfristigen Staatsanleihen als Reserve an. Die 1:1-Bindung von USDe basiert auf einem Financial-Engineering-Portfolio – ETH und ETH-LST-Spot-Longs kombiniert mit gleichwertigen Perpetual-Short-Positionen an zentralisierten Börsen, der sogenannten delta-neutralen Struktur. Die gestakte Version sUSDe schüttet die aus diesen Positionen entstehenden Cashflows an Halter aus und war in den letzten zwei Jahren eines der auffälligsten nativen Stablecoin-Ertragsprodukte im DeFi-Bereich.

Für USDT-Kartennutzer geht es beim Verständnis von Ethena nicht darum, USDT zu ersetzen, sondern um eine konkrete Frage: Wenn man USDe immer wieder als Option an Börsen, Wallets und Kartenanbietern sieht – in welchem Verhältnis steht es zu USDT, kann man beides mischen, und welches Risiko trägt man dabei?

Was ist Delta-Neutral?

Der Mechanismus von Ethena lässt sich in drei Schichten aufteilen:

  1. Besicherungsschicht: Nutzer hinterlegen USDT, USDC oder ETH/LST im Protokoll; Ethena verwahrt die Basiswerte on-chain oder bei Off-Chain-Verwahrern.
  2. Absicherungsschicht: Das Protokoll eröffnet an zentralisierten Börsen Perpetual-Short-Positionen im Nennwert der hinterlegten Sicherheiten. Steigt der ETH-Spot-Kurs, verliert der Short; fällt er, gewinnt der Short – beide Effekte heben sich auf und der Dollar-Wert der Gesamtposition bleibt theoretisch stabil.
  3. Ertragsschicht: ETH-LSTs erzeugen Staking-Erträge; die Perpetual-Short-Positionen vereinnahmen Funding Rates, solange diese positiv sind. Beide Cashflow-Quellen werden zusammen über sUSDe ausgeschüttet.

Dieses Design ist im Umfeld dauerhaft positiver Funding Rates auf dem Krypto-Perpetual-Markt sehr attraktiv – die Short-Position sichert nicht nur Volatilität ab, sondern verdient zusätzlich Funding. Das Problem liegt genau hier: Funding Rates sind nicht dauerhaft positiv. Historisch gab es mehrfach Phasen negativer Funding Rates über Wochen bis Monate; im zweiten Halbjahr 2022 waren ETH-Perpetuals zeitweise insgesamt negativ. Ethena deckt Verluste in negativen Funding-Phasen über einen Reserve Fund, dessen Volumen jedoch begrenzt ist. Eine anhaltende Trendumkehr würde von zwei Seiten Druck erzeugen: sUSDe-Erträge gegen null oder ins Negative, sowie ein Abschlag von USDe gegenüber 1 USD.

Eine detailliertere Beschreibung des Mechanismus – einschließlich Liquidierungspfaden, Verwahrliste und Reserve-Fund-Offenlegung – findet sich in der offiziellen Ethena-Dokumentation.

Wesentliche Unterschiede zu USDT

In einer Gegenüberstellung wird das Bild klarer:

DimensionUSDT (Tether)USDe (Ethena)
BindungsmechanismusFiat + Staatsanleihen als ReserveKrypto-Spot + Perpetual-Short-Absicherung
HauptrisikenReservequalität, Bankzugang, RegulierungFunding-Rate-Umkehr, Börsenkontrahenten, Liquidierung
ErtragsquelleKein nativer ErtragETH-Staking + Funding Rate
TransparenzwegVierteljährliche PrüfberichteOn-Chain + Verwahrer-Dashboard
Regulatorische EinordnungMSB / VARA u. a. in mehreren Jurisdiktionen registriertHauptsächlich als Krypto-Protokoll betrieben, Regulierungsweg noch offen

Der wichtigste Unterschied liegt nicht auf der technischen Ebene, sondern in der Kontrahentenstruktur. Das klassische Risikoszenario für USDT ist ein Bankzugang- oder Reservequalitätsproblem; das Risikoszenario für USDe ist ein Exchange-Level-Ereignis bei Binance, Bybit oder OKX – den wichtigsten Perpetual-Handelsplätzen – oder ein anhaltend negativer Funding-Markt im gesamten Krypto-Perpetual-Segment. Ersteres ist ein Risiko der Finanzinfrastruktur, letzteres ein krypto-natives Risiko; beide sind nicht korreliert und können sich theoretisch gegenseitig diversifizieren.

Das ist der Grund, warum manche Nutzer mit hedgefondsartigem Ansatz einen Teil ihres USDT in USDe umschichten – nicht weil es „stabiler” wäre, sondern weil es „nicht im gleichen Fehlerbaum wie USDT hängt”.

Praktische Berührungspunkte für USDT-Kartennutzer

Die meisten USDT-Kartenanbieter akzeptieren USDe derzeit nicht direkt als Einzahlung. Die On-Chain-Aufladewege gängiger Karten – darunter unser Editors’ Pick MPCard Asia Elite, die Bybit Card und die Bitget Wallet Card – unterstützen primär USDT und USDC.

Der praktische Berührungspunkt findet meist außerhalb der Karte statt:

Ein wichtiger Hinweis: Der Tausch zwischen USDe und USDT ist nicht kostenlos. Slippage im Curve-Pool on-chain, CEX-Handelsgebühren und Cross-Chain-Bridge-Kosten machen häufiges Hin- und Hertauschen bei kleinen Beträgen unwirtschaftlich. USDe als mittel- bis langfristige Ruheposition zu halten und USDT als sofort verfügbare Zahlungsposition – das erscheint derzeit die sinnvollere Aufteilung.

Wer sich für die De-Peg-Historie von Stablecoins und Gegenmaßnahmen interessiert, findet Hintergrundinformationen in unseren Artikeln zu Stablecoin-De-Peg-Risiken und Emittenten-Insolvenz.

Risiken und Kontroversen

Die Diskussion rund um Ethena konzentriert sich auf folgende Punkte:

Tatsächliche Fenster für Funding-Rate-Umkehrungen. Öffentliche Marktdaten zeigen, dass das gewichtete Funding für ETH-Perpetuals von Mai bis Dezember 2022 sowie um August 2024 herum längere negative oder sehr niedrige Phasen durchlief. In diesen Fenstern musste Ethenas Reserve Fund Fehlbeträge ausgleichen, und die sUSDe-Rendite fiel schnell. Das ist ein mechanisch bereits bewiesenes, zyklisch wiederkehrendes Problem.

Verwahrung und Börsen-Kontrahentenrisiko. USDe-Absicherungspositionen werden an zentralisierten Börsen gehalten. Sollte eine der beteiligten Börsen ein Ereignis im FTX-Ausmaß erleiden, trägt Ethena direkte Verluste. Das offizielle Dashboard legt die Expositionsanteile je Börse offen, aber das Risiko lässt sich nur streuen, nicht eliminieren.

Regulatorische Einordnung noch offen. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich sowie mehrere europäische und amerikanische Aufsichtsbehörden haben 2024–2025 diskutiert, ob „synthetische Stablecoins” denselben Regulierungsrahmen wie traditionelle Stablecoins erhalten sollten. Aktuelle regulatorische Entwicklungen sind anhand der offiziellen Ethena-Dokumentation und Behördenankündigungen zu verfolgen; die aktuelle Praxis – BVI-Registrierung, Betrieb als Protokoll – kann sich jederzeit ändern. Für EU-Nutzer ist die Einordnung synthetischer Dollar wie USDe unter MiCA noch in der Entwicklung.

Verwechslung von ENA und USDe. ENA-Halter haben kein Rücknahmerecht auf USDe und erhalten keine sUSDe-Erträge. ENA als „fortgeschrittenere Möglichkeit, USDe zu halten” zu betrachten, ist ein verbreiteter Irrtum.

Redaktionelle Empfehlungen

Konkret beobachtbare Kennzahlen: ob der gewichtete Funding Rate für ETH-Perpetuals mehr als vier aufeinanderfolgende Wochen im negativen Bereich bleibt; wie sich der Anteil des Reserve-Fund-Volumens am USDe-Umlauf verändert; ob das Exposure einer einzelnen Börse laut offiziellem Dashboard 30 % übersteigt. Alle drei Datenpunkte lassen sich auf der Ethena-Transparenzseite und in öffentlichen CEX-Daten unabhängig überprüfen.

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