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Circle Internet Financial

Circle ist der Herausgeber von USDC, notierte 2024 unter dem Kürzel CRCL an der New York Stock Exchange und ist derzeit der direkteste Konkurrent von Tether im regulierten Markt. Für USDT-Kartennutzer steht Circle für einen alternativen Weg – Transparenz gegen Aufpreis.

Headquarters
Boston, MA / New York, NY
Founded
2013-10-01
Key jurisdictions
US · EU · UK · SG
Key products
USDC · EURC

Circle ist das Unternehmen im Stablecoin-Markt, das am stärksten mit dem Begriff „Compliance-Narrativ” assoziiert wird – Hauptsitz in Boston und New York, 2013 von Jeremy Allaire und Sean Neville gegründet, 2024 unter dem Kürzel CRCL an der New York Stock Exchange notiert. Die USDC-Umlaufmenge lag im ersten Quartal 2026 bei rund 35 Milliarden US-Dollar – der zweithöchste Wert nach Tethers USDT. Das Kerngeschäft ist auf eine Sache ausgerichtet: die Ausgabe von Dollar- und Euro-Stablecoins sowie den Aufbau eines Reserven-, Regulierungs- und Prüfsystems, das dem eines regulierten Zahlungsunternehmens möglichst nahekommt.

Für USDT-Kartennutzer ist Circle kein Kartenherausgeber und erscheint auch nicht direkt in der Kartenkette. Das von Circle herausgegebene USDC ist jedoch der direkteste Ersatz für USDT im regulierten Markt, und nahezu alle gängigen USDT-Karten-Wallets unterstützen gleichzeitig USDC-Einzahlungen. Das bedeutet: Die Entscheidung, ob man USDC hält, ist im Kern eine Abwägung zwischen „Reservetransparenz” und „Nutzungskomfort”. Dieser Artikel erklärt, was Circle als Unternehmen tut, worin die Unterschiede zu Tether liegen und welche konkreten Auswirkungen diese Unterschiede auf die Wallet-Struktur von USDT-Kartennutzern haben.

Vorab ein Hinweis: Dieser Beitrag basiert auf offiziellen Circle-Offenlegungen und öffentlichen Marktinformationen. Wir haben keine unabhängige Prüfung durchgeführt und bewerten nicht, ob USDC oder USDT „besser” ist – die Wahl des Stablecoins hängt von Vermögensumfang, Wohnort und persönlicher Risikobereitschaft gegenüber regulatorischen Maßnahmen ab.

Unternehmensgeschichte und Börsenweg

Circle startete 2013 nicht als Stablecoin-Unternehmen, sondern mit einer Bitcoin-Zahlungs-Wallet für Verbraucher. Danach folgte eine Phase im Kryptohandel – darunter die Übernahme von Poloniex –, bevor das Unternehmen seinen Fokus vollständig auf Stablecoin-Infrastruktur verlagerte. 2018 gründeten Circle und Coinbase gemeinsam das Centre Consortium zur Verwaltung des USDC-Standards: Circle übernahm Ausgabe und Reservebetrieb, Coinbase den Vertrieb und den Retail-Zugang.

Diese Konsortialstruktur wurde im August 2023 aufgelöst – Circle übernahm die vollständige Ausgabeberechtigung für USDC, Coinbase wurde strategischer Aktionär und Erlöspartner. Das war ein entscheidender Schritt hin zu einer „Einzelherausgeber-Verantwortungsstruktur” für USDC und räumte auch auf Governance-Ebene den Weg für den späteren Börsengang frei.

Im Juni 2024 ging Circle an der New York Stock Exchange unter dem Kürzel CRCL an die Börse. Die Bedeutung dieses Schritts geht über die Kapitalbeschaffung hinaus: Ein Stablecoin-Herausgeber wurde damit in das vollständige SEC-Offenlegungssystem eingegliedert – Quartalsberichte, Risikofaktoren, Reservezusammensetzung, Kundenkonzentration und der Stand der regulatorischen Kommunikation müssen allesamt nach Börsenzulassungsstandards veröffentlicht werden. Ab diesem Moment schlugen Circle und Tether grundlegend verschiedene Wege ein.

Reservestruktur: Der größte Unterschied zu Tether

Laut der offiziellen Transparenzseite von Circle bestehen die USDC-Reserven zu 100 % aus drei Komponenten:

  1. Kurzfristige US-Staatsanleihen (größter Anteil)
  2. Bankguthaben (u. a. bei Verwahrstellen wie der Bank of New York Mellon)
  3. Overnight-Reverse-Repo-Vereinbarungen (besichert durch US-Staatsanleihen)

Monatlich wird ein Prüfbericht von Deloitte erstellt und auf der Circle-Transparenzseite veröffentlicht (circle.com/en/transparency). Das Entscheidende an dieser Struktur ist nicht „ausreichende Reserven” – das schaffen die größten Stablecoins grundsätzlich –, sondern dass die Reserven keinerlei Commercial Papers, Krypto-Assets, Darlehen an verbundene Parteien oder andere umstrittene Vermögenswerte enthalten.

Zum Vergleich: In den Quartalsberichten von Tether sind nennenswerte Anteile an „sonstigen Investitionen”, „besicherten Darlehen”, „Edelmetallen” und „Bitcoin” enthalten – also keine klassischen Geldmarktäquivalente. Die Bilanzlogik der beiden Unternehmen ist damit grundlegend verschieden: Circle ähnelt einem Geldmarktfonds, Tether eher einer Finanzholdinggesellschaft mit eigenem Anlageportfolio.

Diese Unterschiede schlagen sich in der Risikostruktur nieder:

Regulierungsweg: vollständige Lizenzierung vs. Offshore-Struktur

Circle verfolgt den Ansatz, in jeder wichtigen Rechtsordnung eine vollständige Lizenz zu erwerben:

Tether verfolgt den gegenteiligen Ansatz – die Muttergesellschaft ist auf den Britischen Jungferninseln registriert, der Hauptbetrieb läuft in Mittelamerika ab, und lange Zeit fehlten US-Lizenzen. Beide Wege haben Vor- und Nachteile, bedeuten aber unterschiedliche Risikoprofile für Inhaber: CIRCLEs regulatorische Tiefe bedeutet eine stärkere Durchsetzungsfähigkeit bei Adresssperrungen, regulatorischen Einfrierungen und KYC-Verschärfungen (siehe Risiko regulatorischer Einfrierungen). Bei USDT ist es umgekehrt – regulatorische Maßnahmen greifen langsamer, der Dienst ist für Nutzer aus eingeschränkten Regionen zugänglicher, aber die Reservetransparenz bleibt eine offene Frage.

Relevanz für USDT-Kartennutzer

Circle gibt keine Karten aus, wirkt sich aber auf zwei Wegen indirekt auf USDT-Kartennutzer aus:

Erstens: Die Stablecoin-Wahl bestimmt die Wallet-Struktur. Nahezu alle gängigen USDT-Karten-Einzahlungs-Wallets unterstützen gleichzeitig USDC – darunter MPCard, Bybit Card, OKX Card und Bitget Wallet Card. Nutzer können also ihr Alltagsguthaben in USDC halten und es erst beim Kartenladen augenblicklich in USDT tauschen. Diese Praxis ist in Regionen mit Stablecoin-Gesetzgebung wie der EU und Hongkong zunehmend verbreitet – die Logik lautet: „Compliant-Währung zum Halten, liquideste Währung zum Nutzen.”

Zweitens: USDC ist de facto der USDT-Ersatz in der EU. Nachdem MiCAR Ende 2024 vollständig in Kraft trat, begannen einige europäische Börsen, Retail-Handelspaare für nicht-konforme Stablecoins einzuschränken, was die Verfügbarkeit von USDT auf dem EU-Markt spürbar verringerte. Für Nutzer mit Wohnsitz in der EU hat sich USDC von einer „weiteren Option” zur „primären Option” entwickelt. Wer eine USDT-Karte mit einem EU-BIN nutzt, sollte den regulatorischen Status von USDC kennen.

Drittens: Plattformübergreifende Abrechnung. Große Kartenherausgeber halten bei der internen Abrechnung und im Liquiditätsmanagement oft gleichzeitig USDC und USDT und nutzen Tauschgeschäfte zwischen beiden zur Steuerung regulatorischer Risiken. Das ist für Endnutzer nicht sichtbar, erklärt aber, warum sich die Gebührenstruktur eines Herausgebers mit Veränderungen im Stablecoin-Markt anpassen kann.

Risiken und Kritikpunkte

Nicht nur Stärken verdienen Erwähnung. In den von Circle selbst veröffentlichten Risikofaktoren finden sich mindestens folgende Punkte:

  1. Bankkonzentrationsrisiko: Beim Zusammenbruch der Silicon Valley Bank im März 2023 lagen vorübergehend rund 3,3 Milliarden US-Dollar an Circle-Reserven bei der SVB fest; USDC fiel kurzfristig auf 0,87 US-Dollar und erholte sich erst etwa 36 Stunden später, nachdem die Fed eingriff. Dieser Vorfall zeigt, dass auch eine regulatorisch korrekte Struktur Bankrisiken nicht eliminiert – sie tauscht On-Chain-Risiken lediglich gegen Bankrisiken. Siehe Stablecoin-Depeg-Risiken.

  2. Höhere regulatorische Empfindlichkeit: Circle hat eine kürzere Geschichte von Adresssperrungen als Tether, aber jede Sperrung macht Schlagzeilen. Für Nutzer aus OFAC-sanktionierten oder grenzwertigen Regionen ist USDC nicht unbedingt die sichere Wahl. Siehe Sanktions- und OFAC-Risiken.

  3. Compliance-Kosten als börsennotiertes Unternehmen: Nach dem Börsengang sind Circles Betriebskosten deutlich gestiegen, und die in den Berichten ausgewiesene Profitabilität reagiert sehr sensibel auf das Zinsniveau (Reservezinsen sind die Haupteinnahmequelle). Tritt die Fed in einen Zinssenkungszyklus ein, gerät Circles Geschäftsmodell unter Druck. Das ist kein unmittelbares Risiko, sollte aber langfristig beobachtet werden.

  4. Konkrete Auswirkungen auf USDT-Kartennutzer: Ist der eigene USDT-Kartenherausgeber stark vom CCTP (Cross-Chain Transfer Protocol) von Circle oder dem EU-USDC-Einzahlungskanal abhängig, schlagen sich Betriebsstörungen bei Circle direkt auf die Aufladeerfahrung nieder.

Redaktionsempfehlungen

Konkrete Empfehlungen für verschiedene Nutzergruppen auf Basis der obigen Analyse:

EU- und UK-Nutzer: Es empfiehlt sich, das Alltagsguthaben auf USDC umzuschichten und bei Kartenbedarf bedarfsweise zu tauschen. Nach Inkrafttreten von MiCAR bietet USDC die höchste Rechtssicherheit auf dem regulierten Weg. In Kombination mit Karten mit asiatischem BIN wie MPCard Asia Elite ist auch EURC für Euro-Eingänge eine Option.

Asiatisch-pazifische Nutzer (Festlandchina / Hongkong / Südostasien): Die Wahl zwischen USDC und USDT hängt vor allem von den verfügbaren Einzahlungswegen ab. Bei OTC- oder P2P-Kanälen bietet USDT mehr Liquidität; bei Börsenwegen ist der Unterschied gering. Eine erzwungene Umstellung auf USDC ist in diesem Fall nicht empfehlenswert – die Liquiditätskosten stehen in keinem Verhältnis zur „regulatorischen Risikoprämie”.

Nutzer mit größerem Vermögen (ab 50.000 US-Dollar): Eine Aufteilung zwischen beiden Stablecoins empfiehlt sich, um Tail-Risiken eines einzelnen Herausgebers zu vermeiden. Ein festes Verhältnis gibt es nicht, aber „volles USDT” oder „volles USDC” ist in keinem Fall eine konservative Wahl.

Nutzer, die Karten ausschließlich für kleine Alltagszahlungen nutzen – etwa ChatGPT, Claude oder Cursor-Abonnements (siehe ChatGPT-Plus-Aufladeszenarien): Hier spielt der gehaltene Stablecoin kaum eine Rolle. Kleinbetragige Alltagsnutzung ist nicht reservekonformitätssensibel; entscheidend sind Gebühren, Stabilität und KYC-Freundlichkeit der Karte – nicht der zugrundeliegende Stablecoin.

Ein abschließender redaktioneller Hinweis: Der Gegensatz zwischen Circle und Tether wird oft als binäres Narrativ von „konform vs. nicht konform” erzählt. In der Realität handelt es sich um zwei unterschiedliche Risikostrukturen, die nebeneinander bestehen. Für die meisten USDT-Kartennutzer ist das Verstehen dieses Unterschieds wichtiger als die Entscheidung für eine Seite – wer beide Stablecoins gleichzeitig in der Wallet hält, ist in der Regel besser aufgestellt als jemand, der einseitig setzt.

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