Das Gesamtangebot an Stablecoins hat erstmals die 300-Milliarden-Dollar-Marke durchbrochen – doch The Block weist in seinem jüngsten Bericht auf ein widersprüchliches Signal hin: Das Gesamtwachstum ist ins Stocken geraten, und fast alle neuen Anteile fließen zu Tether (USDT). Die hochgehandelten, GENIUS-Act-konformen Bankenstablecoins hingegen haben einen deutlich schwereren Start als vom Markt erwartet. Mit anderen Worten: Der Markt hat sich nicht so umstrukturiert, wie es die Regulatoren erhofft hatten – stattdessen festigt der etablierte Emittent seine Stellung während des regulatorischen Vakuums. Diese strukturelle Verschiebung ist für USDT-Karteninhaber relevanter als die runde Zahl von 300 Milliarden.
Redaktionelle Einschätzung: Was bedeutet das für Ihre USDT-Karte?
Zunächst das Fazit: Für die überwiegende Mehrheit der USDT-Virtual-Card-Nutzer ist dies eine neutral-bis-positive Nachricht – es besteht kein Handlungsbedarf.
Die Funktionskette einer USDT-Virtualkarte lautet: „Sie laden USDT auf → der Kartenanbieter verwahrt/tauscht → Visa/Mastercard rechnet ab.” Das größte Risiko in dieser Kette ist nicht die Kursschwankung von USDT (es ist an 1 USD gebunden), sondern ein plötzlicher Liquiditätsverlust der Basisabrechnungswährung oder deren Entfernung durch den Kartenanbieter. Da Tether Marktanteile gewinnt, konzentriert sich die Tiefe von USDT an Börsen und im OTC-Clearing – das senkt Slippage und Verzögerungsrisiken beim Währungsaustausch und der Abrechnung durch den Kartenanbieter.
Konkret für einzelne Karten:
- MPCard Asia Elite setzt auf USDT-Direktaufladung als Kernszenario. Eine stärkere Marktkonzentration ist für diesen „USDT-First”-Ansatz positiv – der Anbieter muss sich keine Sorgen über die Fragmentierung der Liquidität bei der wichtigsten Abrechnungswährung machen.
- Bybit Card und RedotPay als börsen- und wallet-basierte Karten verwenden ebenfalls USDT als primäres Abrechnungs-Asset und profitieren gleichermaßen von der konzentrierteren Markttiefe.
- Umgekehrt sollten Nutzer von USDC- oder Multi-Währungs-Karten die Nebenmeldung „Bankenstablecoins haben einen schwachen Start” im Blick behalten – wenn GENIUS-Act-konforme Bankenstablecoins nicht an Fahrt gewinnen, könnten Produkte, die „konforme Stablecoins” priorisieren, vor Währungsumstellungen oder Gebührenanpassungen stehen.
Zeitliche Erwartung: Innerhalb von 7 Tagen sind keine spürbaren Änderungen zu erwarten. Innerhalb von 30 Tagen lohnt es sich zu beobachten, ob Anbieter ihre Liste unterstützter Währungen anpassen. Im 90-Tage-Fenster ist die eigentliche Variable die Umsetzungsdetails des GENIUS Act – dazu mehr unten. Einen Quervergleich der Abrechnungswährungen und Gebühren verschiedener Karten finden Sie unter Top 5 USDT-Karten 2026.
Historischer Vergleich: Anders als das USDC-Depeg 2023 und die MiCAR-Gesetzgebung
Dieser Fall lässt sich mit zwei historischen Ereignissen vergleichen – ist aber in seinem Wesen verschieden.
Das kurzzeitige USDC-Depeg im März 2023 war eine Liquiditätspanik: Die Silicon-Valley-Bank-Krise ließ Zweifel an Teilen der USDC-Reserven aufkommen, der Kurs fiel zeitweise auf rund 0,87 USD. Wer damals eine USDC-Karte hielt, trug ein reales Risiko. Diesmal ist es völlig anders: Die 300 Milliarden sind ein Allzeithoch im Gesamtangebot – kein Depeg, kein Bank-Run, sondern eine strukturelle Marktanteilsverschiebung, kein Kreditereignis.
Im Vergleich zur EU-MiCAR-Gesetzgebung 2024 war jenes Szenario eines, bei dem regulatorischer Druck aktiv konforme Währungen nach oben drückte. Nach MiCAR haben einige Plattformen tatsächlich nicht-konforme Stablecoins delistet. Der aktuelle Status des GENIUS Act ist genau umgekehrt: Der Rahmen existiert, aber konforme Neueinsteiger „starten schwächer als erwartet” – das zeigt, dass die von Regulatoren geplante Umstrukturierung nicht automatisch stattfindet. Der Markt stimmt weiterhin mit den Füßen ab und wählt die liquideste Währung.
Gemeinsamkeit: Beide Male herrschte die Spannung „Regulatoren wollen A fördern, Markt nutzt weiter B.” Unterschied: Im MiCAR-Umfeld wurde B zwangsweise delistet, während B (USDT) diesmal immer dominanter wird.
Regulierung und Compliance: Die Graubereiche des GENIUS Act
Der GENIUS Act ist der föderale US-Rahmen für Zahlungs-Stablecoins und verlangt von Emittenten eine Lizenz, Reservetransparenz und Audits. Das Problem: Ein funktionierender Rahmen bedeutet nicht automatisch ein funktionierendes Ökosystem – damit Bankenstablecoins Liquidität aufbauen, brauchen sie Zeit, Börsenlistings und Clearing-Partner, was ein Gesetz nicht sofort erzwingen kann.
Für Karteninhaber sieht die aktuelle Lage so aus:
- Klar erlaubt: Das Halten und Nutzen einer USDT-Karte für Konsumausgaben außerhalb der USA unterliegt nicht direkt dem GENIUS Act.
- Graubereich: Ob US-Inland-Nutzer, die mit nicht-GENIUS-konformen Stablecoins (einschließlich USDT) zahlen, langfristig eingeschränkt werden, hängt von den Ausführungsbestimmungen ab.
- Klar verschärfte Richtung: Zukünftige US-konforme Produkte werden voraussichtlich lizenzierte Stablecoins als Abrechnungswährung voraussetzen.
US-Nutzer sollten diese Entwicklung besonders im Auge behalten; weitere Details finden Sie unter US-Compliance-Überblick. Wenn Sie im asiatisch-pazifischen Raum ansässig sind, unterscheiden sich Abrechnungs- und Regulierungsrisiken grundlegend – ein Vergleich der Singapur-Compliance-Richtlinien und der Hongkong-Compliance-Übersicht ist empfehlenswert.
Wichtige Entwicklungen, die Sie im Blick behalten sollten
- Tethers quartalsweiser Reservebericht: Beobachten Sie die Tether-Transparenzseite beim nächsten Update und prüfen Sie, ob die wachsenden Marktanteile mit Veränderungen in der Reservestruktur einhergehen.
- GENIUS Act Ausführungsbestimmungen: Ob Bankenstablecoins in den nächsten ein bis zwei Quartalen nutzbare Liquidität aufbauen können, ist entscheidend dafür, ob eine regulatorisch erzwungene Umstrukturierung tatsächlich eintritt.
- Wachstumskurve nach den 300 Milliarden: Wenn das Gesamtangebot in der Nähe von 300 Milliarden stagniert, deutet das auf ein Peak im Wachstum hin und einen Übergang zum Verdrängungswettbewerb – was in der Regel intensiveren Gebührenwettbewerb unter Kartenanbietern bedeutet und für Nutzer positiv wäre.
- Stablecoin-Listing-/Delisting-Ankündigungen großer Börsen: Änderungen bei unterstützten Abrechnungswährungen werden zuerst auf Börsenebene sichtbar.
Redaktionsempfehlung
- Nutzer von MPCard, Bybit Card, RedotPay und anderen USDT-zentrierten Karten: Kein Handlungsbedarf. Die Konzentration der Liquidität bei der Basiswährung ist für Sie positiv – diese Nachricht stellt kein Risikosignal dar.
- US-Inland-Nutzer, die hauptsächlich USDC oder Multi-Währungs-Karten verwenden: Es empfiehlt sich, die weiteren Ausführungsbestimmungen des GENIUS Act zu verfolgen, aber derzeit müssen keine unmittelbaren Maßnahmen ergriffen werden – wechseln Sie nicht überstürzt die Währung wegen einer Schlagzeile über „stockendes Wachstum”.
- Nutzer, die eine neue USDT-Karte beantragen möchten: Sie können dies normal vorantreiben. Die stärkere Marktkonzentration reduziert sogar das Risiko, dass die primäre Währung delistet wird. Achten Sie bei der Kartenauswahl vorrangig auf Gebühren und Abrechnungswährung; einen Vergleich finden Sie unter Karten mit den niedrigsten Gebühren.
Kurz gesagt: 300 Milliarden ist eine Meilensteinzahl, aber das eigentliche Signal für Karteninhaber lautet „USDT ist auf der Abrechnungsseite stabiler geworden” – und nicht „es ist Zeit zur Panik”.