Im US-amerikanischen Steuersystem ist USDT kein „Dollar”, sondern ein digitales Vermögensgut, das die IRS als Eigentum (property) einstuft. Das bedeutet: Jede Zahlung mit einer USDT-Karte wird steuerlich so behandelt, als hätten Sie zunächst einen Teil Ihres USDT-Bestands veräußert (zum Marktwert zum Zeitpunkt der Zahlung in Dollar umgerechnet) und anschließend mit dem erhaltenen Dollarbetrag den Händler bezahlt. Diese Veräußerung kann einen Kapitalgewinn oder -verlust auslösen, der gemeldet werden muss.
Warum eine Ausgabe zum steuerpflichtigen Ereignis wird
Die IRS hat in Notice 2014-21 erstmals klargestellt: Kryptowährungen werden als Eigentum behandelt, und bei jeder Veräußerung ist Gewinn oder Verlust zu berechnen. Ob Sie USDT in Fiatgeld tauschen, gegen eine andere Kryptowährung eintauschen oder damit Waren und Dienstleistungen bezahlen – steuerlich sind alle drei Vorgänge gleichwertig.
Da USDT 1:1 an den US-Dollar gekoppelt ist, liegt der Gewinn pro Transaktion meist im Cent-Bereich – aber „kleiner Betrag” bedeutet nicht „keine Meldepflicht”. Die Frage zu digitalen Vermögenswerten am Anfang des Formulars 1040 („At any time during 2025, did you…dispose of a digital asset?”) muss wahrheitsgemäß beantwortet werden. Eine unterlassene Angabe kann selbst ein Prüfungsrisiko auslösen.
Was Sie dokumentieren müssen
Für jede einzelne Ausgabe mit der USDT-Karte sollten Sie folgende Informationen aufbewahren:
- Anschaffungskosten (cost basis): der ursprünglich in Dollar gezahlte Betrag für diesen USDT-Bestand
- Zeitpunkt und Dollarwert der Ausgabe: der USDT/USD-Marktkurs zum Zeitpunkt der Transaktion
- Differenz: Dollarwert zum Zeitpunkt der Ausgabe − anteilige Anschaffungskosten = Kapitalgewinn / -verlust
- Haltedauer: unter 1 Jahr gilt als kurzfristig (regulärer Einkommensteuersatz), ab 1 Jahr als langfristig (0/15/20 %)
Am Jahresende werden die Veräußerungen einzeln in Form 8949 aufgelistet und in Schedule D zusammengefasst. Bei mehreren hundert kleinen Transaktionen pro Jahr ist eine manuelle Erfassung kaum praktikabel – üblich ist der Einsatz von Tools wie CoinTracker, Koinly oder TokenTax, die CSV-Exporte von Börsen und Kartenanbietern verarbeiten und automatisch das Formular 8949 erstellen.
Praktische Unterschiede zwischen den Karten
- Coinbase Card und andere in den USA regulierte Karten: Der Kartenanbieter stellt in der Regel direkt ein 1099-DA oder einen Transaktionsexport bereit, was die Anbindung an Steuersoftware erleichtert. Siehe Coinbase Card Test.
- Crypto.com Visa: Bietet ebenfalls eine steuerliche Auswertung für die US-Version, der Export muss jedoch manuell in der App erfolgen. Details unter Crypto.com Visa.
- Im Ausland ausgegebene USDT-Karten (Asien-Pazifik, Europa): Diese stellen US-Nutzern in der Regel kein 1099 aus, die Meldepflicht als US-Steuerresident bleibt jedoch unverändert bestehen. Bei solchen Karten müssen Sie sich stärker auf den eigenen Export der On-Chain-USDT-Aufzeichnungen verlassen.
Wenn Sie ein intensiver Nutzer von kleinteiligen, häufigen Zahlungen sind – etwa für Abonnements wie ChatGPT Plus oder Claude – empfiehlt es sich, von Anfang an eine einheitliche Wallet für die Zahlungen zu verwenden, um die Zusammenfassung am Jahresende zu erleichtern. Siehe dazu ChatGPT Plus Abo-Szenario.
Redaktionsempfehlung
Do: Richten Sie eine eigene Wallet-Adresse ausschließlich für USDT-Kartenausgaben ein, über die sämtliche USDT-Bewegungen laufen; nutzen Sie CoinTracker oder Koinly; bewahren Sie monatliche Kontoauszüge auf. Don’t: Die Meldung nicht deshalb überspringen, weil „USDT eine Stablecoin ist”; verlassen Sie sich auch nicht auf die Aussage, kleine Beträge müssten nicht gemeldet werden – die IRS kennt keine De-minimis-Ausnahme für digitale Vermögenswerte.
Abschließend noch einmal der Hinweis: Dieser Artikel ist eine allgemeine Informationszusammenstellung und stellt keine Steuer- oder Rechtsberatung dar. Die steuerliche Situation in den USA unterscheidet sich stark je nach Bundesstaat, Einkommensstruktur und Art der Vermögenshaltung – konsultieren Sie vor der offiziellen Steuererklärung einen zugelassenen CPA oder Enrolled Agent. Lesen Sie ergänzend auch den Compliance-Überblick USA sowie Muss ich Steuern auf USDT-Kartenausgaben zahlen für die weltweit gängigen Grundregeln.